Praxis gründen

Was ein eigener Praxisraum wirklich kostet – und was du dir sparen kannst

Die Kaltmiete ist der kleinste Teil der Rechnung. Welche Posten dazukommen, wie du deine echten Raumkosten pro Arbeitstag ausrechnest und ab wann sich welches Mietmodell lohnt.

Von Rebekka Mirlach · · 5 Minuten Lesezeit

Praxisraum München | Schwabing | Heller Altbau-Raum mit Sesseln und Echtholzparkett

Wenn wir Coaches und Therapeut:innen zum ersten Mal treffen, kommt eine Frage meistens nach zehn Minuten: „Und was kostet mich das im Monat?“ Die ehrliche Antwort ist: Das hängt viel weniger am Quadratmeterpreis, als die meisten vermuten. Wir haben in den vergangenen Jahren vier Praxen eingerichtet und dabei ziemlich genau gelernt, welche Posten auf so einer Rechnung stehen – und welche man erst bemerkt, wenn die erste Abrechnung im Briefkasten liegt. Dieser Text ist der Überblick, den wir uns damals selbst gewünscht hätten.

Die Rechnung, die die meisten aufmachen

Du siehst ein Inserat: 22 Quadratmeter, zentral, ein Preis kalt. Du rechnest ihn auf deine Klient:innenstunden um, es geht sich aus, und du schreibst die Besichtigungsanfrage. So weit, so vernünftig. Das Problem ist nur: Die Kaltmiete ist bei einer Praxis eher der Anfang der Rechnung als ihr Ergebnis.

Was in der Kaltmiete nicht drinsteht

Diese Posten tauchen in fast jedem Mietverhältnis auf. Einzeln ist keiner davon dramatisch – zusammen verschieben sie deine Rechnung deutlich, und die meisten fallen an, bevor die erste Klientin durch die Tür kommt.

  • Nebenkosten und Heizung, oft als Vorauszahlung mit Nachzahlung im Folgejahr
  • Strom, bei Gewerbeflächen fast immer ein eigener Vertrag
  • Kaution, üblich sind drei Kaltmieten – Geld, das über die ganze Laufzeit gebunden ist
  • Maklerprovision, bei Gewerbeflächen häufig drei Monatsmieten plus Mehrwertsteuer
  • Einrichtung: Sessel, Liege, Schrank, Lampen, Vorhänge, Pflanzen, Bilder
  • Renovierung beim Einzug und Rückbau beim Auszug
  • Internet und Telefon
  • Reinigung, dazu Verbrauchsmaterial wie Seife, Papier, Tee
  • Versicherungen: Betriebshaftpflicht, Inhalt, je nach Lage Glas
  • Kleinkram mit Wirkung: Klingelschild, Praxisschild, Briefkasten, zweiter Schlüssel
  • Rundfunkbeitrag für die Betriebsstätte
  • Flächen, die du mitbezahlst, aber nicht behandelst: Flur, Wartebereich, Toilette, Küche

Der Posten, den fast alle vergessen: leere Tage

Ein eigener Raum kostet an sieben Tagen die Woche Miete. Genutzt wird er bei den allermeisten an zwei oder drei. Wer zwei Tage pro Woche arbeitet, bezahlt also grob zwei Drittel der Miete für Zeit, in der der Raum leer steht und das Licht aus ist. Genau hier liegt der eigentliche Unterschied zwischen den Mietmodellen – nicht beim Quadratmeterpreis.

Drei Modelle, drei Rechnungen

In München begegnen dir im Wesentlichen drei Varianten. Sie unterscheiden sich weniger im Preis pro Stunde als in dem, was du an Bindung, Aufwand und Risiko mitkaufst.

Eigene PraxisTageweise MieteStundenweise Miete
BindungMietvertrag, oft mehrere Jahrekurze Kündigungsfristkeine
Kautionmeist drei Kaltmietenje nach Anbieter, bei uns keinekeine
Einrichtungkaufst und pflegst du selbstist daist da
Leere Tagezahlst du mitzahlst du nichtzahlst du nicht
Fester Rhythmus für Klient:innenjaja, dein Wochentagwechselt oft
Material lagernunbegrenzteigener Schrank üblichselten möglich
Reinigung, Technik, Verwaltungdeine Aufgabeinklusiveinklusive
Sinnvoll abvier bis fünf Praxistagen pro Wocheein bis drei Praxistageneinzelnen Terminen

Wann sich was lohnt

Es gibt kein Modell, das für alle richtig ist – aber es gibt für jede Phase eines, das besser passt als die anderen.

  • Du startest gerade und dein Kalender füllt sich noch: Miete stundenweise oder sichere dir einen festen Wochentag. Wichtig ist, dass du keine Fixkosten aufbaust, die dich unter Druck setzen.
  • Du hast einen stabilen Rhythmus mit ein bis drei Praxistagen: Tageweise mieten ist hier fast immer die günstigere und ruhigere Lösung. Deine Klient:innen lernen „dienstags bei dir“ – das ist Verlässlichkeit, ohne dass du sieben Tage bezahlst.
  • Du bist an fünf Tagen ausgebucht, brauchst Lagerfläche, Geräte oder ein Team: Ab hier trägt eine eigene Praxis sich, und der Gestaltungsspielraum ist das Geld wert.

Der Übergang ist fließend, und er ist keine Einbahnstraße. Bei uns fangen viele mit einem Tag an, nehmen den zweiten dazu, wenn der erste voll ist – und ein paar sind irgendwann in ihre eigene Praxis gezogen. Das ist für uns kein Verlust, sondern genau das, was passieren soll.

Wie wir rechnen

Weil wir selbst oft nach Zahlen gesucht haben, hier unsere: Ein Wochentag im Monat kostet bei uns zwischen 200 und 250 Euro. Enthalten sind der eingerichtete Raum, Wartebereich, Teeküche, WLAN, Strom, Heizung, Nebenkosten und die wöchentliche Reinigung. Es gibt keine Kaution, keine Provision und drei Monate Kündigungsfrist. Umgerechnet auf die 4,3 Tage, an denen du den Raum im Monat nutzt, sind das rund 46 bis 58 Euro pro Praxistag – und du weißt beim Unterschreiben, was am Monatsende abgebucht wird.

Ob das für dich günstig ist, hängt von deinem Stundensatz und deiner Auslastung ab. Rechne es einmal für dich durch, so wie oben beschrieben. Wenn dabei herauskommt, dass eine eigene Praxis für dich sinnvoller ist, sag uns gern Bescheid – wir kennen ein paar Leute, die dir bei der Suche helfen können.

Deine Checkliste vor der Unterschrift

  1. Was ist in der Miete enthalten, was rechnest du zusätzlich?
  2. Wie hoch ist die Kaution, und unter welchen Bedingungen bekommst du sie zurück?
  3. Wie lang sind Mindestlaufzeit und Kündigungsfrist?
  4. Wer reinigt, wie oft, und wer zahlt das Verbrauchsmaterial?
  5. Darfst du ein Praxisschild anbringen, und wie ist die Klingel beschriftet?
  6. Gibt es einen Wartebereich und eine Toilette für deine Klient:innen?
  7. Wie hellhörig ist der Raum? Steh einmal während einer Sprechzeit im Nachbarraum.
  8. Wo parken Klient:innen, und wie weit ist die nächste Haltestelle wirklich zu Fuß?
  9. Kannst du Material dauerhaft lagern – Liege, Akten, Decken, Spielzeug?
  10. Was passiert, wenn du wächst: Gibt es einen größeren Raum oder einen zweiten Tag im Haus?
  11. Wer ist erreichbar, wenn das WLAN ausfällt oder die Heizung streikt?
  12. Und die wichtigste Frage: Fühlst du dich in diesem Raum wohl? Deine Klient:innen merken das in der ersten Minute.

Wenn du magst, rechnen wir das gemeinsam durch. Wir zeigen dir die Räume, du bringst deine Zahlen mit, und am Ende weißt du, ob es passt – auch wenn die Antwort „noch nicht“ lautet.

Geschrieben von Rebekka Mirlach, zuletzt aktualisiert am 8. September 2026. Fragen dazu? Schreib uns einfach.

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Die Miete ist je Raum und Location unterschiedlich. Die Preise für einen Wochentag im Monat (z.B. alle Monatge) liegt zwischen 180€ und 260€. "All-inclusive" selbstverständlich.

Die detaillierten Preise findest du auf der Seite jeder Location und auf jeder Raumvorstellungsseite.

Absolut alles. Miete für deinen Raum, alle Nebenkosten, Einrichtung, Internet und eine Putzkraft einmal die Woche. Es gibt auch keine Nebenkostenabrechnung.

Alle Verträge haben eine Kündigungsfrist von 3 Monaten, wenn die Kündigung bis zum 3. eines Monats eingegangen ist. Das heißt, wenn du am 3. Januar noch kündigst, läuft dein Vertrag am 31. März aus. Kündigst du am 4. Januar, läuft er noch bis 30. April.

Eine Kündigung reicht bei uns auch formlos per E-Mail, SMS oder WhatsApp an Rebekka oder Maximilian. Du kannst dir das Geld für ein Einschreiben gerne sparen.

Solltest du - aus welchen Gründen auch immer - unsere traumhaften Räume so schnell wie möglich verlassen wollen, kannst du uns auch immer Bescheid geben. Auch wenn wir keine Garantie oder ein Recht darauf geben können, bemühen wir uns dann vorzeitig einen Ersatz bzw. Nachmieter für dich zu finden.
Praxisraum München | Foto der Gründerin Rebekka Mirlach und des Gründers Maximilian Schiff

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